fünf Monate rauchfrei
Heute ist mir aufgefallen, dass ich in zwei Wochen fünf Monate rauchfrei sein werde. Fast ein halbes Jahr. Prima Zeitpunkt mal eine kleine Zwischenbilanz zu ziehen. Das mache ich auch gleich und warte nicht erst noch die zwei Wochen ab, denn sonst vergesse ich diesen Beitrag bestimmt wieder.
Ich denke nämlich kaum noch ans Rauchen. Rauchen ist so weit weg für mich. Dass ich das einmal über zwanzig Jahre hinweg getan habe, also zu rauchen meine ich, nicht das daran denken, dass kann ich mir heute gar nicht mehr vorstellen. Beziehungsweise ist die Vorstellung so dermaßen absurd und hirnrissig, da kann ich nur den Kopf drüber schütteln und lachend weg gehen.
Im Nachhinein bin ich immer noch sehr erstaunt darüber, wie leicht es mir gefallen ist, mit dem Rauchen aufzuhören. Und ich frage mich, wieso es mir bei meinen unzähligen Versuchen früher nicht so leicht fiel und ich immer rückfällig geworden bin?
Ganz sicher bin ich mir bei meiner Antwort auf diese Frage nicht, aber eine bessere Antwort als die folgende finde ich nicht:
Früher habe ich es immer als Opfer, ja fast sogar schon als Martyrium angesehen, wenn ich mal wieder eine Phase hatte, in der ich das Rauchen aufgeben wollte. Heldinnenhaft stellte ich mich dem Kampf gegen die Zigarette! Aber immer blieb da ein Gefühl von Wehmut, wenn ich ans Rauchen gedacht habe. Blöd, nicht wahr? Noch blöder irgendwann dann wieder zum Tabak zu greifen.
Bei diesem letzten und auch geglückten Versuch habe ich mir selbst eine Gehirnwäsche verpasst, in dem ich mir immer wieder gesagt habe, wie klasse das Nichtrauchen ist und wie froh ich bin, es nicht mehr tun zu müssen. Ich habe es als Geschenk an mich selbst betrachtet, dass ich mir diesen Qualm und Gestank nicht mehr reinziehen muss. Und über dieses Geschenk habe ich mich so richtig gefreut. Jeden Tag. Und nun schon fast fünf Monate lang.
Ich glaube, dass es an dieser positiven und freudigen Einstellung zum Nichtrauchen liegt, dass mich der Tabak nicht mehr locken kann. Äusserst selten taucht mal ein Gedanke daran auf, bleibt ein Nanosekündchen am Ereignishorizont meines Bewusstseins hängen und ist genau so schnell wieder verschwunden. Ich erschrecke mich dann fast und denke: “Huch! Was war das denn? Ach so, das war es.”
Nun, jedenfalls finde ich immer noch, dass es die schönste Entscheidung des Jahres war, mir selbst zu erlauben, mir diesen Scheiß nicht mehr antun zu müssen!
Und die drei oder vier Kilo, die ich in der Zwischenzeit zugenommen habe, trage ich mehrmals die Woche bei einem Abendgang spazieren. Irgendwann werden die sich dann auch erledigt haben.


Da haste ja Glück gehabt
Zwei damalige Kollegen haben danach rund 15/20 Kilo zugenommen…
Wortman
Oktober 20, 2009 um 10:54 pm
Herzlichen Glückwunsch!
Die wunderbare Welt des Wissens
Oktober 20, 2009 um 10:57 pm
@Wortman: Uff, das ist ja ein Ding. So viele Kilo?
Mein Bedürfnis, das Rauchen mit Essen zu kompensieren, hält sich sehr in Grenzen. Ich esse nicht mehr als zuvor. Da ich meinen Körper aber nicht mehr durch Tabak stresse, brauche ich wohl weniger Kalorien für meinen Grundumsatz, und bei bleibender Kalorienzufuhr gab’s dann halt ein paar Pfund mehr. So erkläre ich mir das.
@Wunderbare: Danke. Das sage ich mir auch häufiger.
Ich hoffe nur, dass ich noch rechtzeitig die Kurve bekommen habe, bevor der Tabak irgendwas Schlimmes in meinem Körper angestellt hat, von dem ich jetzt noch nichts weiß.
Schildmaid
Oktober 20, 2009 um 11:05 pm
Du hast nur 3-4 Kilo zugenommen? Tzä! Das ist unanständig. Bei mir waren es damals 12.
Herzlichen Glückwunsch jedenfalls im Club der Entwöhnten. Riechen und Schmecken erreicht wieder völlig neue Dimensionen, oder?
quadratmeter
Oktober 20, 2009 um 11:14 pm
Zwölf gar? Umpf. Was hast Du denn da mit Deiner Ernährung angestellt?
Ich habe im ersten Monat gar nix zugenommen. Im zweiten und dritten dann diese 3-4 Kilo und seitdem stagniert es. Da ich für Diäten nix übrig habe, aber dem Sport auch eher abgeneigt gegenüber stehe, dachte ich mir, dass ausgedehnte Abendspaziergänge bestimmt eine feine Sache sein könnten. Mal sehen, ob das funktioniert.
Das mit dem Riechen und Schmecken kann ich leider nicht bestätigen, mein Freund aber sehr wohl. Ich glaube, dass liegt an meinem Heuschnupfen; der macht mir die Geruchsnerven wohl ganz schön platt. Und damit ist dann auch der Geschmack betroffen.
Aber das ficht mich alles nicht an. Ich freu mich einfach nur darüber, dass es mir ohne Tabak so wesentlich besser geht.
Schildmaid
Oktober 20, 2009 um 11:25 pm
Vielleicht nehmen da Männer mehr zu – keine Ahnung.
Wortman
Oktober 20, 2009 um 11:23 pm
Du meinst, da könnte es eine geschlechtsspezifische Komponente geben? Interessanter Ansatz.
Schildmaid
Oktober 20, 2009 um 11:26 pm
Ich will auch … endlich davon loskommen. Danke für den Beitrag. Ich glaube, ich nehme das Projekt in Angriff. Jetzt.
Liesel
Oktober 21, 2009 um 12:26 am
Liebe Liesel, ich habe noch zwei andere Beiträge zu diesem Thema geschrieben. Such einfach mal “rauchfrei” hier im Blog, dann wirst Du fündig darüber, wie es angefangen hat. Und ich hoffe, dass Dich diese Beiträge motivieren können.
Ja, mach es! Starte das Projekt. Jetzt. Jetzt ist immer der beste Anfangspunkt.
Schildmaid
Oktober 21, 2009 um 12:59 am
Chapeau!
Und ich glaube, genau diese Gehirnwäsche ist es, die es ausmacht. Denn viele Raucher haben das Problem sich kaum vorstellen zu können, dass es ohne Zigarette besser ist. Sie suchen sich statt dessen Argumente, wo sie die Zigarette vermissen werden…
Falscher Ansatz
Ein weiteres, rauchfreies Leben wünsche ich Dir!
Und ab jetzt kannst Du dir auch einbilden, wieder zu schmecken, wie ein Apfel wirklich schmeckt. Denn Deine Geschmacksknospen dürften sich wieder fast vollständig regeneriert haben
wortteufel
Oktober 21, 2009 um 9:17 am
Ebenfalls Glückwunsch. Bei mir ist es ähnlich lange her. Ich habe auch ein wenig zugenommen. Aber weniger, weil ich mit dem Rauchen aufgehört habe, sondern vielmehr weil das Essen jetzt besser schmeckt
Spass beiseite: Tatsächlich waren viele Gefühle die ich als Nikotinschmacht ausgelegt habe, ganz schlicht – Hunger. Der früher mit einer Zigarette bekämpft wurde.
Silencer
Oktober 21, 2009 um 11:26 am
@wortteufel: Ich habe das Rauchen ja auch mit einer Art Gehirnwäsche angefangen, nach dem Motto: Rauchen ist cool, ich bin cool, ich bin coolichbincool. Da fand ich es nur passend, auch mit einer Gehirnwäsche wieder aufzuhören.
Aber halt mir einer Gehirnwäsche, die mich motiviert und unterstützt. Wenn dann der Gedanke an eine Zigarette kam, sagte ich mir: “Hach, zum Glück muss ich mir das jetzt nicht antun. Jippiieh!”
Wobei das “Jippiieh!” ein fröhlicher Schlachtruf ist, der mich echt gepusht hat.
Und jetzt alle so: Jippiieh!
@Silencer: Oh ja, das sagste was. Hungergefühle mit Zigaretten zu bekämpfen, das kenne ich auch. Hatte ich schon total vergessen. So was aber auch.
Und der Glückwunsch geht auch Retour an Dich.
Was mir übrigens noch aufgefallen ist, ist dass ich anstatt zum Tabak zu greifen eher die Handarbeit aufnehme. Und so irre Projekte wie die Häkelschweinarmee durch ziehe. Aber das ist immerhin besser als Rauchen oder Sweeties zu naschen.
Schildmaid
Oktober 21, 2009 um 11:56 am
@Schildmaid
Auch von hier herzliche Glückwünsche zur so gut wie überstandenen Sucht. Ich hoffe Du bist tüchtig stolz auf Dich, dass darfst Du nämlich sein.
Ebenso natürlich wie Silencer, der es ebenso so gut wie geschafft hat. Klasse!
ruediger
Oktober 21, 2009 um 3:06 pm
rüdiger: Danke für das Lob *freu*
Schildmaid: Ja, Energieüberschuss kenne ich auch. Ob ich den in Häkelschweine investiert sehe möchte weiß ich nicht.
Silencer
Oktober 21, 2009 um 4:04 pm
@ruediger: Danke.
Ich weiß nicht, ob ich stolz darauf bin. Froh und glücklich, ja, auf jeden Fall! Aber stolz? Auf die normalste Sache der Welt, nämlich nicht zu rauchen? Weiß nicht…
Schildmaid
Oktober 21, 2009 um 4:06 pm
@Silencer: Dann geh doch einfach mit spazieren. Das kanalisiert den Energieüberschuß ganz prima.
Und jetzt stell ich mir vor, wie Du Häkelschweine produzierst.
Schildmaid
Oktober 21, 2009 um 4:08 pm
@Schildmaid
Du solltest stolz sein. Sich alleine und ohne Not erfolgreich das Rauchen abzugewöhnen ist es wert. Bitte.
@Silencer
Bitte gerne.
Sie hat spazieren gesagt. *schucker* Bei uns heißt das sinn- und planloses Schuhe abnutzen.
ruediger
Oktober 21, 2009 um 6:58 pm
Sinn- und planloses Schuheabnutzen. Pöh.
Leider hat WP gerade meinen Artikel gefressen, sonst hätte ich Dir gleich mal zeigen können, wo ich heute unterwegs war und wie hübsch es hier ist.
Schreib ich halt alles noch mal. Heul.
Schildmaid
Oktober 21, 2009 um 9:00 pm
Die Fotos sind schön (siehe dort). Und die 12 Kilo übrigens wieder weg, schon lange. Was schlimm ist: auch nach so vielen Jahren kommen – Gottseidank selten – noch Schmachtanfälle.
quadratmeter
Oktober 21, 2009 um 11:02 pm
Glückwunsch! Ich bin stolz auf Dich.
Armes Schwein.
Bei mir ist das mit dem Rauchen abgewöhnen gar nicht so einfach. Ich habe nie damit angefangen.
Ich kann aber erahnen, wie schwer das ist, denn bei vielen Leuten in meiner Umgebung habe ich den Kampf miterleben dürfen/ müssen. Nur einem Kollegen fiel es leicht: er hat es immer und immer wieder geschafft.
Halte durch!
cutter
Oktober 27, 2009 um 12:18 am
Danke sehr, lieber Cutter.
Niemals mit dem Rauchen anzufangen ist in der Tat die beste Idee. Aber so gute Ideen sind halt nicht allen beschieden.
Schildmaid
Oktober 28, 2009 um 12:00 am
Ja, das habe ich auch schon von anderen gehört. Meist ist es die *hachjetztkönnticheine*, die einen perfekten Moment krönen soll. Da denke ich mir dann: “Genau, Suchtmonster, das in meinem Kopf sitzt, das ist ein perfekter Moment. Und den soll ich mir jetzt mit ner Zigarette kaputt machen? In your face!”
Na, und dann geht es schon wieder.
Schildmaid
Oktober 22, 2009 um 12:19 am