peinliche Geschenke und Kindheitserinnerungen

Juni 18, 2008

Der Abschied von der Grundschule steht bevor und zu diesem Anlass soll die Klassenlehrerin ein Geschenk überreicht bekommen. Irgendjemand kam auf die sehr schöne Idee, dass die Kinder ihr Lieblingsgericht aufschreiben sollen; mit Photo versehen wird dann ein Klasse 4a Kochbuch daraus gebastelt. Fertig ist das Geschenk. Ist ja nichts Peinliches dran? Ist doch nur die Einleitung. Wartet es ab, das Peinliche kommt noch…

Meine Freundin erzählte mir gestern Abend dazu eine sehr lustige Geschichte, lustig für uns, nicht für den Betroffenen. Damit ich es hier auch lustig wieder geben kann, muss ich etwas länger ausholen:

Meine Freundin und ich zählen zu der Generation, die von ihren Omas und Tanten zum Geburtstag oder zu Weihnachten mit einer Garnitur Unterwäsche beschenkt wurden. Schies.ser Feinripp in weiß, versteht sich. Jedes Jahr das Gleiche und niemals in grün. Jedes Jahr das betretene Gesicht, der Kampf um einen Hauch von angedeutetem Lächeln um die Mundwinkel und jegliche Selbstachtung verleugnend ein „Danke für das schöne Geschenk“ herauspressend. Dabei schrie alles in uns: „Schenkt mir lieber gar nichts, als diese Scheusslichkeit!“ Denn es ist ja wohl klar, dass diese Unterwäsche des Grauens sofort und original verpackt in der untersten Schublade landete und von uns niemals hervor geholt wurde! Den Entsorgungsvorgang überließen wir unseren Müttern.

Nun hat meine Freundin einen Sohn, der dieses Unterwäscheverschenken auch schon dank der Oma über sich hat ergehen lassen müssen. Offensichtlich nicht mit den beschämenden Erinnerungen behaftet, wie das bei uns der Fall war, denn auf die Frage „Was schenken wir der Grundschullehrerin zum Abschied?“ antwortete er vor versammelter Klasse: „Wie wär’s mit schöner Unterwäsche?“ Und sorgte damit für den Brüller des Abends! Oh ja, manche Löcher im Boden sind nicht groß genug oder tun sich nicht schnell genug auf, wie er es in dieser Situation gebraucht hätte! Der Arme.

Das war peinlich, nicht wahr? Und Freundin und ich kugelten uns vor Lachen gestern Abend. 

Kommen wir zu hochnotpeinlich, einer gesteigerten Form von peinlich, bei der sich die Betreffende, in diesem Fall ich, nie nie mehr aus dem aus dem undankbaren Loch (nicht groß genug, nicht tief genug, nicht schnell genug) heraus wagen mochte:

Als ich so zwischen „Kindergarten und Grundschule“ alt war und eine Freundin von mir Geburtstag hatte, diese aber keinen expliziten Wunsch äußerte, dann kaufte meine Mutter…

Unterwäsche! Die Unterwäsche des Grauens! Und ich musste diese verschenken. 8-O Könnt ihr euch meine Scham, meine hochnotpeinlichen Gefühle vorstellen? Könnt ihr euch den Boden vorstellen, der nie schnell genug ein passend tiefes Loch zum Versinken für mich bereit hielt? Es war demütigend. Aber so was von. Ich habe dann immer ein paar Sticker aus meiner Sammlung geopfert und sie dem „Geschenk“ beigefügt. Als Entschuldigung für mich, meine Mutter, für alle peinlichen Geschenke des Grauens, die die Freundin noch erhalten würde (denn es gab noch mindestens eine weitere Mutter, die so drauf war wie meine), denn schließlich war sie meine Freundin, und hatte Geburtstag. Nicht den Tag des Grauens.

Was im Himmel und zur Hölle brachte unsere Großmütter, Mütter und Tanten bloß dazu, solche Geschenke bereit zu halten? Freundin und ich haben keine Ahnung.

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12 Antworten zu “peinliche Geschenke und Kindheitserinnerungen”

  1. Silencer Sagt:

    OMG – wenn pubertierende Jungs die doppelte Bedeutung tradierter Dinge noch nicht erkennen und unfreiwillig komisch sind.

    Zumindest seine Mitschülerinnen werden den Witz begriffen haben. Von allen Mädchen in der Klasse ausgelacht –
    Der Arme.

  2. zimtapfel Sagt:

    Tja. Meine Schwester und ich bekamen von diversen Freunden und Bekannten der Oma immer wieder gerne hübsche Frotteehandtuchgarnituren geschenkt. Und dazu immer wieder von der Oma den dezenten Hinweis ins Ohr geflüstert: Nicht gleich benutzen, müsst ihr neu liegen lassen, ist für die Aussteuer!

  3. Schildmaid Sagt:

    @silencer: An den roten Kopf wird er sich wohl sein Leben lang erinnern. Traumatisch, so was.

    @zimtapfel: Oh ja, das kenne ich auch! Genau so wie du es beschrieben hast. Besonders „moderne“ Tanten schenkten dann gerne auch mal „Liebe ist…“ Handtücher. Oder auch die mit dem Mädchen drauf, ich komme jetzt nicht auf den Namen; dieses Kind, dass so aussieht als ob es direkt aus der Gruselserie „Unsere kleine Farm“ entkommen wäre… uuäärgs.

  4. zimtapfel Sagt:

    Am Ende die hier: http://membres.lycos.fr/edithgreg/image_accueil.jpg ?

    Da hatte ich mit acht oder so tatsächlich mal ein Unterhöschen von…

  5. ruediger Sagt:

    *lol* Der Arme wusste sicher nicht wie ihm geschah. Bei mir war es die Tante (Oma war zu geizig) mit allerlei hilfreichen Waschtant. Auch hier, „Erst das alte aufnutzen, damit es länger hält.“ *lol* Nur Unterwäsche gab es selten, ich denke meine Mutter hat immer rechtzeitig Bedarfsmeldungen abgesondert. Hosen.,. es gab immer Hosen. Die scheußlichsten Dinger mit Aufnähern in Herzform. 0_0 Da bin ich direkt auf den Fußballplatz mit und erstmal die Knie aufgeschrubbert….. Ergebnis: Es gab bald neue, weil man die doch so gerne trägt, er zieht sie ja immer gleich an.. *argh* *lol*

  6. wortman Sagt:

    *lach* der arme kleine, aber immerhin war das doch auch eine coole idee *hihi* vorausgesetzt die lehrerin ist nicht gerade ne „alte schachtel“ ;)
    die idee mit dem kochbuch find ich klasse. mal was ganz anderes. stellst das bild vom lieblingsessen deines kindes denn online? ;)

    so, so, die papierflöte ist angemalt? die will ich sehen *hihi*

  7. Schildmaid Sagt:

    @zimtapfel: Ja, genau die! Sarah Ka.y, so hießen die Biester! Die zogen geradezu invasiv in die Zimmer meiner Freundinnen ein, als Poster, Kuschelkissen etc. Scheußlich!

    @ruediger: Hosen mit Herzaufnähern für einen Jungen? 8-O Mein Beileid nachträglich.

    @wortman: Die Papierflöte ist ein äußerst scheues Exemplar und hat sich sofort in der Legokiste versteckt, als ich mit dem Photoapparat auf sie zu schlich. Bislang hat sie sich noch nicht wieder heraus getraut. :-(
    Ein Bild vom Lieblingsessen meiner Tochter kann ich auftreiben. *suchwühl*

  8. wortman Sagt:

    meine mädels waren früher immer verrückt nach spinat mit spiegelei :)

    und falls du doch mal eine papierflöte basteln willst: :)
    http://wortman.wordpress.com/2008/04/01/papierflote-bauen/

    vielleicht sollte ich auch mal gucken, was sich hier so alles in den legokisten versteckt *g*

  9. Schildmaid Sagt:

    @wortman: Oh ja, Spinat und Spiegelei! Mit Stampfkartoffeln. Da steht meine Tochter auch drauf! Und natürlich Nudeln mit Tomatensoße, Pizza (aber nur Salami oder Thunfisch) und Fischstäbchen. *sigh* „Abwechslungsreich essen“ sind in dem Alter Fremdworte.

  10. wortman Sagt:

    waren wir abwechslungsreich? ;) ich hätte früher auch tagelang immer das gleiche essen können… was ich mir persönlich bis heute erhalten habe: nudeln. *rrrrr* die könnt ich heut noch 5 tage die woche essen *lach*

  11. Schildmaid Sagt:

    @wortman: *lachichmit* Hast ja Recht. Egal welche Sauce, Hauptsache Nudeln! :-P *mjamm*

  12. wortman Sagt:

    würd eher sagen „superyamyam“ :)


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