Archiv für 12. April 2008

Tag der offenen Tür und der blank liegenden Nerven

April 12, 2008

Bei uns in Niedersachsen stehen die Eltern in den Startlöchern zum run auf die weiterführende Schule. Ich habe mir heute Vormittag den Tag der offenen Tür der I.G.S gegeben. Wie noch weitere 600 andere Eltern inklusive deren Kinder. 

Für alle Nicht-Eltern in meiner Leserschaft sei erklärt: Bei diesem Tag der offenen Tür möchte die Schule die Eltern und Kinder über ihr Angebot und ihr schulisches Konzept informieren. Das die Schule diesen Tag als PR-Veranstaltung betrachtet, versteht sich von selbst. Da wird also mächtig auf die Pauke gehauen (Wir haben ein Schulorchester) und ins Horn gestossen (Wir haben eine spezielle Bläser-Klasse, aber bei uns heißt da ja nicht Klasse sondern Stammgruppe; ja, wir sind ganz anders als andere!) und ein großer Zirkus drum gemacht (Wir haben eine Zirkus-Stammgruppe!). Es geht wirklich nur um Information und PR. Zumindest war das die Absicht der Schule.

Aber was machen anwesende Eltern aus einer reinen Info-Veranstaltung? Richtig: Eine Diskussionsplattform über die Ungerechtigkeit des Auswahlverfahrens, ein Forum über das Pro und Contra des G8 Abiturs (=Abi nach der 12. Klasse), eine erhitzende Debatte darüber, weshalb das Land/die Stadt denn keine zweite IGS baut, wo der Bedarf doch schon seit Jahren, ach was, seit Jahrzehnten besteht. Einen Debattierclub über den Sinn von Schulnoten an sich und im Besonderen und über die Aussagekräftigkeit der Grundschulnoten. 

Am schönsten war die Mutter im rosafarbenen Twin-Set. Das war die mit der Ungerechtigkeit des Auswahlverfahrens. Dieses plüschige rosa Muttertier war der Meinung, ihr Töchterchen kann nur, und wirklich nur auf der I.G.S glücklich werden! Und wenn sie hier nicht angenommen wird, wird ihr ja auf Grund der Fehlentscheidung der Schule der ganze Rest ihres zarten Lebens verbaut! [sic!] Sie wäre fast in zarte rosafarbene Tränchen ausgebrochen!

Die I.G.S bekommt pro Jahr ca. 500 Anmeldungen. Es können aber nur 170 SchülerInnen angenommen werden. Es werden also ca. 330 Elternpaare das Auswahlverfahren als ungerecht empfinden. Da befindet sich das plüschige rosafarbene Muttertier doch in guter Gesellschaft! Sie kann auch gerne eine Selbsthilfegruppe gründen; das steht ihr frei.

Und zum Glück für alle anderen Eltern und Kinder gibt es in unserem Städtchen 6 weitere Gymnasien, auf denen die Kinder ihr Abitur machen können. 6 weitere Gymnasien, auf denen die Kinder glückliche und unglückliche Zeiten erleben werden. 6 weitere Gymnasien, an denen fähige und unfähige LehrerInnen unterrichten. Und jedes dieser Gymnasien hat ein Schulorchester, eine Bläser-Klasse, Akrobatik AGs, Deutschunterricht, Mathe, Englisch, Französisch, Bio, Chemie…. 

Und jetzt muss ich mir noch den Einkaufsdschungel geben. Ich glaube, danach will ich nur noch ins Bett und mir die Decke über den Kopf ziehen.

Ein schönes Wochenende Euch allen!